Erbachs "Haus der Zukunft"
Ein weiteres Bauprojekt der Energiegenossenschaft Odenwald kommt voran: Ein Büro- und Praxisgebäude, im Erdgeschoss werden zwei Arztpraxen einziehen.
ERBACH. Sie sind bereits von Weitem sichtbar. Die zwei Kräne mit ihren gewaltigen Schwenkarmen machen darauf aufmerksam, dass auf dem Gelände am „Haus der Energie“ wieder gebaut wird. Die Umgestaltung der Nordseite nimmt weiter Gestalt an.
Baubeginn war im März
Zuletzt wurde im Sommer des vergangenen Jahres der dreigeschossige Neubau am nordöstlichen Ende fertiggestellt. Dieser Komplex mit rund 1.800 Quadratmetern wird seitdem vollständig vom Jugendamt des Odenwaldkreises genutzt. Wie die Projektmanager der Eigentümerin des Areals, Simon Koch und Sebastian Schweikert von der Energiegenossenschaft Odenwald eG (EGO), erläutern, sind auf einer Grundfläche von 30 mal 30 Metern westlich davon die Bauarbeiten voll im Gange.
Baubeginn war Mitte März. Auf ebenfalls drei Etagen entsteht ein modernes Büro- und Praxisgebäude, das die EGO in Anlehnung an vorhandene Bezeichnungen ihrer dort ansässigen Immobilien als „Haus der Zukunft“ führen wird. Hierfür wurde im Herbst eine zuletzt ungenutzte Bestandsimmobilie bis auf die Bodenplatte sowie Teile der Fassaden abgerissen.
An exakt gleicher Stelle entsteht ein Neubau mit einer Nutzfläche von 2.224 Quadratmetern, von denen bereits im Erdgeschoss Flächen für zwei Arztpraxen vermietet sind. „Ein Obergeschoss wird gewerblich als Bürofläche genutzt. Für ein weiteres Obergeschoss bestehen bereits Reservierungen; weitere Flächen stehen noch zur Verfügung“, zählt Koch auf. Die Fertigstellung des Rohbaus ist für August vorgesehen. Läuft alles nach Plan, können die ersten Mieter im zweiten Quartal 2027 einziehen.
Von den Fronten nicht einsehbar, ist ein etwa neun mal acht Meter großer zentraler Lichthof. „Über dieses besondere architektonische Merkmal erfolgt die Erschließung der Nutzungseinheiten“, setzt Schweikert fort. „Von hier aus sind direkt die Einheiten im Erdgeschoss zugänglich. Über den überdachten Haupteingang wird zudem das Treppenhaus mit Aufzugsanlage erschlossen. Ein zweiter Treppenraum an der Nordost-Fassade dient als zusätzlicher Rettungsweg.“
Bemerkenswert ferner, worauf Koch aufmerksam macht: „Die ursprüngliche Produktionsfläche von 888 Quadratmetern wird durch den Umbau auf über 2.200 Quadratmeter Nutzfläche erweitert.“ Das Gebäude wird in massiver Stahlbetonskelettbauweise mit Flachdach errichtet. Diese Bauweise sei mit der Option verbunden, das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf um weitere Geschosse aufzustocken.
Im Erdgeschoss sorgt eine sogenannte Pfosten-Riegel-Fassade für helle, offene und moderne Raumstrukturen. „Für alle von der EGO konzipierten und umgesetzten Immobilien gelten die Gesichtspunkte Nachhaltigkeit und Energieeffizienz“, unterstreicht EGO-Vorstandsvorsitzender Christian Breunig. So wird auch dieser Neubau im KfW-40-Standard realisiert und mit einer Photovoltaikanlage (Leistung: rund 70 Kilowatt-Peak) ausgestattet. Die Wärmeversorgung erfolgt über die vorhandene Pelletsanlage des Nahwärmenetzes am „Haus der Energie“. Zusätzlich wird am Gebäude eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und Nachtauskühlungsfunktion angebracht.
Fachfirmen aus der Region bevorzugt
Charakteristisch für alle Bauprojekte der EGO ist der größtmögliche Einsatz von Fachunternehmen aus der Region. Darauf macht Schweikert mit dem Hinweis aufmerksam, dass darüber sich auch Einfluss auf die Einhaltung der Baukosten nehmen lässt. Die beiden Projektmanager greifen auf ihre Erfahrungen zurück, die beiden Seiten dienen. „Von Beginn an betrachten wir jedes Projekt ganzheitlich“, so Koch. Als Bauherrin achtet die EGO genauestens auf die Einhaltung der Bauzeitenplanung, was auch den Handwerksunternehmen Planungssicherheit bietet. So können beispielsweise besonders von Preisschwankungen betroffene Materialien wie Stahl und Elektrobauteile frühzeitig in bedarfsgerechten Mengen geordert und gegebenenfalls eingelagert werden. „Solche Abstimmungsgespräche tragen wesentlich dazu bei, die geplanten Baukosten einzuhalten“, fügt er hinzu.
Im Gespräch mit dieser Zeitung macht Vorstand Thomas Mergenthaler ergänzend darauf aufmerksam, dass interessierte zukünftige Mieter auf den Ausbau der Flächen Einfluss nehmen können: „Bereits beim Erstbezug gehen wir auf Wünsche der Nutzer individuell ein, wodurch ein hohes Maß an Flexibilität gewährleistet ist.“ Auch wenn für einen Großteil des Neubaus die künftigen Nutzer bereits feststünden – im Obergeschoss stehen Flächen noch zur Disposition.
Von Manfred Giebenhain